Heute gehen wir mit unserem künftigen neuen Familienmitglied, dem knappe sechs Monate jungen Hund Nemo, zum ersten mal in dessen Hunde-Leben im Wald spazieren.
Nemo weiß nicht, wie ihm jetzt geschieht. Er steht angeleint auf der Straße neben uns und sieht aus wie ein nicht bestellter Hund, der zwar abgeholt wird, aber nicht weiß, was zu schnüffeln, zu riechen, sehen, zu hören oder zu gehen ist.
Nemo ist nur einer von vielen Hunden, die in der Hunde-Auffangstation La Palma gelandet sind. Kurz nachdem er und sein Bruder Niels geboren wurden, hatte die Hunde-Auffangstation beide aufgenommen. Weil Nemo und Niels kleinere Mischlingshunde sind, fanden sie Aufnahme in einer Gruppe von 20-30 jungen Tieren, außerhalb des riesigen Geländes bei Sigi, der Vertreterin des privat organisierten Tieschutzvereines vor Ort auf La Palma.

Nemo hat noch etwas Angst, denn es ist für ihn völlig neu,
dass man draußen im Wald spazieren gehen kann.
Nemos Schwanzi ist noch unten, aber schon nach 20 Minuten
beginnt es interessiert zu wedeln.
Als wir heute bei Sigi ankommen, trägt Nemo bereits ein Halsband. Das trägt Nemo heute zum ersten Mal in seinem acht Monate alten Leben. Wir nehmen ihn an die Leine, was er sich gefallen lässt, denn er kennt uns beide wohl noch von Gestern und wir haben ein paar interessante Leckerli dabei.
Natürlich senkt sich Nemos Schwanz tief nach unten, als er merkt, dass es sich mit dem Halsband und der Leine wohl etwas auf sich hat, das ihm unbekannt ist. Er folgt uns, von einem Leckerli gelockt hinaus durch das Tor, das wir leise ins Schloß fallen lassen und das Nemo nun von seinem Rudel trennt.

Nach 20 Minuten ist Nemo schon schnüffelnd und
wedelnd am Wegesrand unterwegs.
Die erste Ängstlichkeit hat sich in Interesse verwandelt.
Das "Hunde-Zeitung-Lesen" am Wegesrand
und die neue Gesellschaft mit Menschen fallen Nemo
trotz der Leine offensichtlich recht leicht.
Nemo hat Zeit, die wir ihm lassen, um am Straßenrand auf der Wiese und an den Büschen herum zu schnüffeln. Wir machen unsere ersten Hundererziehungsfehler, indem wir ihn mir dem Kommando „Komm“ viel zu oft verbal versuchen in unsere Richtung zu locken, anstatt das nur wenige Male zu sagen und ihn mit Handzeichen (Klatschen), dass wir mit „Komm“ verbinden, locken.
In der kleineren Gruppe von Tieren zu hause bei Siggi und deren Mann Hayo fiel es uns recht leicht, uns für Nemo zu entscheiden. Das wäre in der riesigen Gruppe von Hunden, die wir gestern in der Hunde-Auffangstation La Palma besucht hatten, viel schwerer gewesen.
Nemo ist ein ausgeglichener, eher ruhigerer Hund, der uns wegen seiner sozialen Art, die er zeigt, indem er sich gegenüber den kleineren Tieren „extra klein macht“ damit die mit ihm spielen, sofort auffiel.
Ruhe und Zeit, die wir Nemo lassen, um weiter zu schnüffeln und Leckerli bewegen Nemo zum Laufen. Schon läuft Nemo angeleint neben uns her. Minuten später ist Nemo schon auf das Rascheln der Lekerlitüte konditioniert, springt aber ängstlich zur Seite, als uns zwei mit Stöcken ausgerüstete Wanderer begegnen. Wir beruhigen Nemo aber nur kurz und bewegen ihn rasch zum Weiterlaufen. Dafür belohnen wir ihn sofort mir einem Leckerli.
Nach dreißig Minuten treffen wir auf ein parkendes Auto, dem ein Frauchen mit Hund entsteigt. Es ist ein nicht angeleinter Hund, den Nemo zwar beobachtet, aber sich nicht weiter interessiert. Gleich darauf kommt wieder was: Diesmal eine Gruppe von Wanderern. Jetzt steht Nemo ruhig bei uns am Wegesrand, wir begrüßen die Wanderer, die vorbei laufen, Nemo sieht gelassen zu.
Den Rückweg nehmen wir vorbei an seinem Haus und dem Garten seines Rudels. Wir zeigen ihm jetzt nämlich gleich mal unser Auto, bei dem wir ihm Wasser zu trinken anbieten. Nemo steigt schließlich von einem Leckerli gelockt sogar ein. Das Auto verlassen wir wieder, ich knalle versehentlich die Tür laut zu, so das Nemo erschrickt, das ignorieren wir und gehen mit ihm zurück zu seinem Rudel.

Abends warten einige Hunde aus Nemos Rudel gebannt,
während ihr Abend-Fressi-Fressi vorbereitet wird.
Minuten später fallen sie alle gemeinsam, nach einem
untereinander genau festgelegten System der
Über- und Unterordnung, über alle bereit stehenden
Fressnäpfe her.
Weil Nemo mit uns zusammen sein Rudel verlassen hat, erwartet ihn zurück im Rudel seiner Gruppe ein wilde Jagd. Alle seine Hundekumpels fallen über den "Rudelflüchtling" her. Nemo nimmt das mit Gelassenheit. Schon nach etwa fünf Minuten liegt er in aller Ruhe mitten in der Meute seines Rudels und wartet darauf, dass die Abendmahlzeit, auf die sich später alle Hunde wie jeden Tag gemeinsam stürzen, bereit steht.
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